Ein fairer Hospitality-Rider will das, was einen Artist ausgeschlafen, satt, sicher und pünktlich hält: ein ruhiges Zimmer, ein warmes Essen, Wasser, einen abschließbaren Platz fürs Equipment, Transfers mit nüchterner Person am Steuer und ein paar Plätze auf der Gästeliste. Auf einer Seite, nach Wichtigkeit sortiert, mit Zahlen. So einen Rider lesen Promoter:innen bis zum Ende und sagen zu fast allem Ja. Drei Seiten Markennamen werden überflogen, und die Allergie auf Seite zwei gleich mit.
Dieser Guide ist für beide Seiten: für Artists und Agenturen, die einen Rider schreiben, und für Promoter:innen, die entscheiden, was sie zusagen.
Was ein Hospitality-Rider abdeckt
Der Hospitality-Rider ist die feste Liste dessen, was ein Artist abseits der Bühne braucht. Für die Bühne gibt’s den Tech-Rider. Beide sind der Ausgangspunkt: Der Rider sagt, was der Artist bei jeder Show braucht, im Advancing klärt ihr, wie diese eine Show das erfüllt (welches Hotel, wann die Abholung, wer fährt).
Bei DJs und Live-Acts in europäischen Clubs hat er meistens sechs Teile:
- Reisegruppe. Wer mitkommt und ein Zimmer, ein Essen und einen Platz im Auto braucht. Ein DJ allein ist eine Person, mit Tourmanager:in sind es zwei, ein Live-Act mit eigener Tontechnik mindestens zwei.
- Hotel. Standard, Anzahl der Zimmer, Betten, Frühstück, Check-in und Check-out.
- Essen. Wie viele Mahlzeiten, wann, Ernährung und Allergien.
- Getränke. Wasser und Softdrinks am Pult oder auf der Bühne, und was sonst noch dazukommt.
- Backstage. Eine Garderobe oder ein Green Room, zumindest aber ein Platz, an dem man sitzen, sich umziehen und Taschen sicher lassen kann.
- Gästeliste und Transfers. Wie viele Plätze und bis wann die Namen kommen; Transfers zwischen Flughafen oder Bahnhof, Hotel und Club.
Schreib einen Rider pro Act: DJ-Set und Live-Show desselben Artists brauchen zwei, weil sich Reisegruppe und Zeiten unterscheiden.
Was üblich ist und was zu viel
Die Tabelle gilt für Clubs und Clubbühnen mit etwa 300 bis 1.500 Kapazität in Europa. Headliner auf großen Festivals bekommen mehr, die erste Show in einem Keller für 200 Leute bekommt weniger. Die Zahlen sind Faustregeln, kein Standard.
Ob „meist zu viel“ trotzdem passt, hängt an der Gage und an der Größe des Clubs. Ein Festival, das einem Headliner auf einer Bühne für 1.500 Leute 8.000 € zahlt, plant ein anderes Hospitality-Budget als ein Club für 300 Leute mit 800 € Gage. Dort ist eine Flasche um 60 € ein echter Posten in der Rechnung des Abends.
Ein später Check-out ist eine normale Bitte, wenn das Set nach 04:00 endet, aber das Hotel entscheidet. Geht der Flug erst am Abend, gehört ein Day Room oder eine zweite Nacht ins Angebot, nicht in eine Diskussion an der Rezeption.
Essen, Getränke und Backstage in der Praxis
Die Uhrzeit ist wichtiger als das Menü. Ein warmes Essen um 20:00 bringt wenig, wenn das Set um 03:00 beginnt. Schreib dazu, wann das Essen gebraucht wird, und bitte bei späten Sets auch um etwas nach dem Set oder um ein Buyout, damit der Artist essen kann, wann es passt.
Ernährung schreibst du klar hin: vegetarisch, vegan, kein Schweinefleisch, glutenfrei. Allergien kommen ganz nach oben, als unverzichtbar markiert, mit der Schwere in wenigen Worten („Nussallergie, schwer“). Teil nur, was die Promoter:innen wissen müssen, um richtig zu handeln. Ein Rider geht an viele Leute, er ist kein Ort für die Krankengeschichte.
Am Pult: stilles Wasser mit Zimmertemperatur, ein paar Softdrinks und nichts aus Glas in der Nähe von Playern und Mixer. Ein maßvoller Posten Alkohol („sechs Bier oder eine Flasche Wein für zwei“) ist üblich. Markenlisten nicht, außer es gibt einen echten Grund dafür.
Viele Clubs für 300 bis 600 Leute haben keine Garderobe. Ein abschließbares Büro oder eine Ecke im Backstage mit Sitzplätzen und Spiegel ist normal. Wichtig ist, dass Taschen, Laptop und Plattentasche von der Ankunft bis zur Abfahrt sicher sind und dass es ein WC gibt, für das sich der Artist nicht anstellen muss.
Hotel, Transfers und Gästeliste
Frag nach einem Hotelstandard und einer Zimmeranzahl, nicht nach einem Hotelnamen. Promoter:innen haben oft Raten bei ein oder zwei Häusern, und ein gutes Hotel nahe am Club schlägt ein berühmtes am anderen Ende der Stadt. Bitte um Nichtraucherzimmer, Frühstück und ein ruhiges Zimmer, wenn der Artist tagsüber schläft.
Transfers heißt: jede Strecke zwischen Flughafen oder Bahnhof, Hotel und Club, auch die Fahrt zurück nach dem Set. Wer fährt, ist nüchtern, verfolgt den Flug, hat Platz fürs Equipment und macht nicht nebenbei noch die Tür. Bitte um eine fixe Ansprechperson vor Ort mit Telefonnummer. Die ruft der Artist an, wenn in der Ankunftshalle niemand wartet.
Für die Gästeliste nennst du die Zahl der Plätze und akzeptierst eine Frist für die Namen, meist der Tag vor der Show. Promoter:innen dürfen die Liste an einem ausverkauften Abend begrenzen. Klär das vorher, nicht an der Tür.
Ein Rider ist eine Bitte, bis er Teil des unterschriebenen Angebots oder Vertrags ist. Dann gehört er zum Deal. Nachverhandeln gehört deshalb vor die Unterschrift, schriftlich und mit Gegenvorschlag.
Darüber darf man reden:
- Markennamen, wenn etwas Gleichwertiges denselben Job macht.
- Premium-Spirituosen, Champagner und lange Getränkelisten, vor allem in kleinen Clubs.
- Zimmer, Essen und Gästeplätze für Leute, die nicht an der Show arbeiten.
- Lange Gästelisten an Abenden, die fast ausverkauft sind.
- Ein garantierter früher Check-in: Den kann ein Hotel nur zusagen, wenn das Zimmer ab der Nacht davor gebucht ist.
Was drinbleibt: Allergien und Ernährung, Trinkwasser, ein sicherer Platz fürs Equipment, eine nüchterne Person am Steuer, ein ruhiges Zimmer nach einer Nacht unterwegs und genug Zeit zwischen Landung und Set-Zeit.
Ein guter Gegenvorschlag klingt so: „Die Flasche Wodka geht sich bei dieser Kapazität nicht aus. Wir machen sechs Bier und Getränkebons für deine zwei Gäste.“ Kommt das drei Wochen vor der Show, sagen die meisten Artists sofort Ja. Schief geht’s, wenn die Promoter:innen gar nichts sagen und der Artist um 01:00 vor einem leeren Kühlschrank steht.
Buyouts: Essen, Hotel, Getränke
Ein Buyout ersetzt einen Punkt im Rider durch Geld. Promoter:innen sparen sich die Organisation, der Artist bleibt flexibel. Ins Angebot gehören drei Dinge: der Betrag, ob er pro Person oder für die ganze Gruppe gilt, und wie er bezahlt wird (bar am Abend oder über die Rechnung).
Die Beträge unten sind Beispiele für Städte im DACH-Raum 2026, kein Standard. Zürich, London oder Skandinavien sind teurer, kleinere Städte günstiger.
- Essens-Buyout. Genug für ein ordentliches Essen im Restaurant in dieser Stadt. Beispiel: 25 bis 40 € pro Person und Mahlzeit in Wien oder Berlin.
- Hotel-Buyout. Wenn der Artist bei Freund:innen schläft oder noch in der Nacht weiterreist. Meist so viel, wie das Zimmer die Promoter:innen gekostet hätte, oder weniger. Beispiel: 100 bis 140 €, wenn das Zimmer 140 € kosten würde.
- Getränke-Buyout. Selten, aber praktisch, wenn sich ein bestimmter Wunsch nicht erfüllen lässt. Beispiel: 40 bis 60 € statt einer Flasche.
Ein Buyout ist keine versteckte Gagenerhöhung. Ist es höher als das, was es ersetzt, ist es Gage, und dann gehört es auch in die Gage.
So schreibst du einen Rider, der erfüllt wird
Eine Seite reicht. Promoter:innen lesen Dutzende, und Aufmerksamkeit kriegt die erste halbe Seite. Dort steht das Unverzichtbare, markiert: Allergien, Sicherheit, alles, ohne das der Artist wirklich nicht spielen kann. Alles darunter ist ein Wunsch, und ein Rider, der das offen sagt, wird öfter erfüllt als einer, der aus jeder Zeile eine Forderung macht.
Schreib so, dass jemand damit was anfangen kann. „Ein warmes vegetarisches Essen für zwei vor 22:00“ lässt sich erfüllen, bei „Catering“ allein müssen die Promoter:innen raten.
Setz ein Datum drauf und streich Equipment und Leute, die nicht mehr mitreisen. Ein Rider, der seit drei Jahren gleich ist, sagt den Promoter:innen: Den liest eh keiner.
Der Rider ändert das Angebot nicht. Bei einem Landed Deal sind die Flüge in der Gage, Hotel und Transfers vor Ort bleiben aber meist bei den Promoter:innen. Wer was stellt, steht im Angebot, und der Rider passt dazu.
Schick ihn mit dem Angebot. Fast alles lässt sich organisieren, wenn man es zwei Wochen vorher weiß. Am Showtag fast nichts mehr.
Und lass die Witze weg. In einem Stapel Rider kosten sie meistens Sympathie.
Eine schwere Allergie steht in der ersten Zeile des Riders und noch einmal im Advance. Rider werden stückweise weitergeleitet, und genau diese Zeile muss in der Küche ankommen und bei der Person, die die Getränke ans Pult bringt.
Ein kompaktes Beispiel
Für [Artist A], DJ, reist mit Tourmanager:in. Beträge sind Platzhalter.
Unverzichtbar. Keine Nüsse in allem, was dem Artist serviert wird (Allergie, schwer). Ein abschließbarer Platz für zwei Taschen und einen Laptop von der Ankunft bis zur Abfahrt. Eine nüchterne Person am Steuer bei jedem Transfer.
Reisegruppe. Zwei Personen: [Artist A] und Tourmanager:in.
Unterkunft. Zwei Einzelzimmer oder ein Zweibettzimmer in einem sauberen, ruhigen 3- oder 4-Sterne-Hotel, höchstens 15 Minuten vom Club. Nichtraucher, mit Frühstück, später Check-out bis 14:00, wo das Hotel es erlaubt.
Transport. Jede Strecke zwischen Flughafen oder Bahnhof, Hotel und Club, in einem Auto mit Platz für zwei Personen und eine Plattentasche. Wer fährt, verfolgt den Flug.
Essen. Ein warmes vegetarisches Essen für zwei vor 22:00 oder ein Essens-Buyout von [Betrag] pro Person laut Angebot. Endet das Set nach 04:00, danach eine Kleinigkeit zu essen.
Getränke. Am Pult: sechs Flaschen stilles Wasser, vier Softdrinks, nichts aus Glas. Backstage: sechs Bier oder eine Flasche Rotwein.
Backstage. Ein abschließbarer Raum oder ein Büro mit zwei Sitzplätzen, Spiegel und zwei Handtüchern.
Gästeliste. Vier Plätze, Namen bis 18:00 am Tag vor der Show.
Alternativen. Gleichwertige Marken passen. Änderungen am Unverzichtbaren bitte vor dem Showtag mit der Agentur klären.
Der Tech-Rider, kurz
Der Tech-Rider ist eine eigene Seite. Er beschreibt das Setup (DJ, live oder hybrid), das Equipment, das die Promoter:innen stellen, mit genauen Modellen und akzeptierten Alternativen, die Booth-Monitore und wer sie regelt, Größe und Stabilität des Tischs, Strom und Anschlüsse und die Zeit für Aufbau, Soundcheck und Changeover. Für DJs ist er meistens kurz, zum Beispiel drei oder vier Pioneer CDJ-3000, ein DJM-V10 oder DJM-A9 und zwei Booth-Monitore auf Ohrhöhe. Bei Live-Acts kommen Bühnenplan, Inputs und die Backline dazu, die du mitbringst oder vom Haus brauchst. Es gelten dieselben Regeln: eine Seite, das Unverzichtbare markiert, ein Datum und eine Ansprechperson, die Ersatz freigeben kann.