Der Gebietsschutz, auch Radiusklausel, verbietet dem Artist, in einer bestimmten Entfernung zu deiner Show andere öffentliche Shows zu spielen, für eine bestimmte Zeit davor und danach. Eine Ankündigungssperre legt fest, ab wann eine Show öffentlich werden darf. Beide schützen deinen Ticketverkauf, und beide kosten den Artist Shows anderswo. Halt deshalb beide so klein, wie die Show es zulässt.
Was der Gebietsschutz schützt
Du bewirbst einen Abend wochenlang. Spielt derselbe Artist am Wochenende davor in einem größeren Club am anderen Ende der Stadt, geht ein guter Teil deines Publikums dorthin. Der Gebietsschutz verhindert das.
Den Artist kann jeder Kilometer und jede Woche mehr eine Show kosten, und der Radius bestimmt das Routing mit. In einer dichten Region sperrt er schnell mehrere Städte auf einmal: 150 km um Wien umfassen Bratislava, Brünn und, in Luftlinie gemessen, Graz.
Schreib jeden Teil des Radius auf:
- Entfernung: Kilometer ab der Location, oder genannte Städte, Regionen oder Länder.
- Zeit: wie lange vor und nach der Show.
- Was zählt: nur öffentliche Shows oder auch private Events, DJ-Sets in Bars, Livestreams und B2B-Sets, und unter welchen Namen des Artists.
Ankündigungssperre
Eine Ankündigungssperre legt fest, ab wann eine Show öffentlich sein darf. Sie wirkt in zwei Richtungen:
- Du kündigst nicht vor einem bestimmten Zeitpunkt an, zum Beispiel weil ein Festival den Artist zuerst ankündigt oder die Agentur mehrere Termine auf einmal rausgeben will.
- Der Artist kündigt vor deiner Ankündigung keine anderen Shows im Radius an, damit deine News nicht unter einer anderen untergeht.
Gib der Sperre Datum, Uhrzeit und Zeitzone. „Nicht vor Mittwoch, 12:00 Wiener Zeit“ lässt nichts offen. Sie gilt für die Social-Media-Kanäle von Artist und Agentur genauso wie für deinen Ticketshop.
Übliche Bedingungen in Europa
Diese Spannen sind im europäischen Club- und Festival-Booking verbreitet. Verhandelt wird trotzdem jede Klausel, und viele Clubshows haben gar keinen Radius.
Eine Gage über dem, was der Artist sonst bekommt, rechtfertigt einen weiteren Radius, Exklusivität auch, etwa die erste Show im Land oder ein Stopp der Album-Tour. Bei einem kleinen Club oder in einer Stadt, in der der Artist mehrmals im Jahr spielt, spricht viel für weniger.
So einigt ihr euch auf einen fairen Radius
Fang bei dem an, was die Show wirklich braucht. Eine Clubnacht für 400 Leute braucht ein paar Wochen Ruhe in ihrer Stadt, aber sicher kein ganzes Land für eine Saison.
Für Promoter:innen:
- Verlang die Entfernung und die Zeit, die zu deiner Crowd passen. Kommt sie aus der Stadt, reicht ein Radius für die Stadt.
- Schütz die Ankündigung so gut wie das Datum. Eine Sperre für andere Ankündigungen bringt oft mehr als eine lange Frist nach der Show.
- Ein weiter oder langer Radius kostet den Artist Shows. Rechne damit, dass du das in der Gage zahlst.
Für Artists und ihre Agenturen:
- Liste vor der Zusage die Shows auf, die im Gebiet schon optioniert oder bestätigt sind, und nenn sie als Ausnahmen.
- Halte die Zeit nach der Show kurz, denn bis dahin sind die Tickets eh verkauft.
- Schreib dazu, welche Namen die Klausel umfasst. Ein Alias mit anderem Publikum kann eine Ausnahme sein oder nicht; entscheide es jetzt.
- Bitte um eine Zustimmungsklausel: andere Shows im Radius mit schriftlicher Zustimmung, die nicht ohne Grund verweigert und innerhalb einer festgelegten Frist beantwortet wird.
Angenommen, ein Wiener Club für 700 Leute bucht [Artist A] für einen Samstag im November. Eine faire Klausel lautet: keine öffentlichen Shows im Umkreis von 100 km Luftlinie um die Location, von sechs Wochen vor bis vier Wochen nach der Show. Keine Ankündigung einer anderen Show in dem Gebiet vor der Ankündigung des Clubs. Das Festival in Bratislava zwei Wochen nach der Show, schon bestätigt und 55 km entfernt, steht als Ausnahme drin. Private Events ohne öffentliche Bewerbung zählen nicht.
Leg den Radius mit Daten, Entfernung und den Namen fest, die er umfasst. Eine Klausel, die nur „exklusiv in der Region“ sagt, liest jede Seite anders.
Festivals, Afterpartys und Streams
Ein Festival-Radius kann genau die Clubshows schlucken, für die sich die Reise für den Artist erst lohnt. Es gibt zwei übliche Auswege.
- Die offizielle Afterparty. Viele Festivals erlauben eine Clubshow, die sie selbst veranstalten oder mitveranstalten, oft in derselben Nacht. Nenn sie in der Klausel.
- Ein anderer Markt. Eine Clubshow jenseits der Grenze stört ein Festival vielleicht nicht, auch wenn sie innerhalb der Entfernung liegt. Nenn den Ort, statt dich auf Kilometer zu verlassen.
Livestreams und aufgezeichnete Sets sind neueres Terrain. Ein Set, das aus einem Studio gestreamt wird, verkauft in deiner Stadt keine Tickets. Ein Stream vom Floor des Clubs ums Eck vielleicht schon. Ist dir das wichtig, schreib es rein.
Wenn zwei Shows kollidieren
Fällt eine Kollision erst auf, wenn der Vertrag schon unterschrieben ist, sprich sie an, bevor eine der Shows angekündigt ist. Oft reicht es, eine Ankündigung zu verschieben oder die andere Show ruhig zu halten, bis deine verkauft ist, und niemand muss den Vertrag brechen. Steht die Kollision schon auf zwei Flyern, wird’s deutlich schwieriger.
Was in den Vertrag gehört
- die Entfernung und wie sie gemessen wird: Luftlinie ab der Location, Straßenkilometer oder genannte Orte
- Anfangs- und Enddatum, nicht nur „sechs Wochen“
- was zählt: öffentliche, kostenpflichtige oder beworbene Shows; DJ- und Live-Sets; B2B-Sets; Livestreams; welche Namen
- die heute bekannten Ausnahmen, mit Stadt und Datum
- die Ankündigungssperre mit Datum, Uhrzeit und Zeitzone, und wer danach was ankündigen darf
- wie um Zustimmung gefragt wird und wie schnell die Antwort kommt
- was bei einem Verstoß passiert, falls überhaupt etwas, in einem vernünftigen Verhältnis zur Show
Der Radius gehört schon ins Angebot, damit ihn niemand erst im Auftrittsvertrag entdeckt.
Und rechtlich?
Gebietsschutz ist eine Vertragsklausel und bindet nur die, die unterschrieben haben. Die Spannen oben beschreiben, was üblich ist. Ob ein Gericht eine Klausel hält, sagen sie nicht. Sehr weite oder lange Klauseln, vor allem bei großen Festivals, können kartellrechtliche Fragen aufwerfen. Würde eine Klausel einen großen Teil der Saison eines Artists blockieren, hol dir vor der Unterschrift rechtlichen Rat.