Zum Inhalt
Für Artists

Was eine Booking-Agentur von dir sehen will

Ein klarer Sound, Nachfrage außerhalb deiner Stadt, ein brauchbares Pressekit, aktuelle Live-Mitschnitte und der Ruf, dass man gut mit dir arbeiten kann.

Veröffentlicht
Zuletzt geprüft
Lesezeit
8 Min.

Eine Agentur nimmt dich ins Roster, wenn sie dich verkaufen kann. Dafür braucht sie einen Sound, den Promoter:innen in einem Satz beschreiben können, Nachfrage, die es außerhalb deiner Stadt schon gibt, Material, das für dich verkauft, und eine Person, die man gern wieder bucht. Was eine Agentur gut kann: Nachfrage, die schon da ist, in mehr und besser bezahlte Shows verwandeln. Die Nachfrage selbst aufzubauen, ist vor allem dein Job, mit Releases und Abenden, die gut laufen. In diesem Guide geht’s darum, wie du einer Agentur zeigst, was du hast, und was du unterschreibst, wenn eine Ja sagt.

Worauf eine Agentur schaut

Fang beim Sound an. Kann jemand, der dich noch nie gehört hat, Promoter:innen in einem Satz sagen, was du spielst? „Hypnotischer, perkussiver Techno, 130 bis 135 BPM, lange Sets“ lässt sich pitchen. „Eklektisch, alle Genres“ ist schwer unterzubringen. Ein Name, der überall gleich geschrieben ist, bis zum letzten Großbuchstaben, hilft mehr, als man denkt.

Dann schauen Agenturen, ob sich schon was bewegt:

  • Releases auf Labels, die Promoter:innen kennen, oder regelmäßig eigene, und das nächste hat schon ein Datum.
  • Eine Residency oder eine regelmäßige Nacht in einem Club mit Ruf. Das zeigt, dass ein Club dir seine Stammgäste anvertraut.
  • Shows außerhalb deiner Stadt, gebucht von Leuten, die nicht deine Freund:innen sind. Am meisten zählen Wiederbuchungen: Wer dich zweimal bucht, hat die Zahlen gesehen.
  • Deine aktuelle Gagen-Spanne und was in den nächsten sechs Monaten fix ist. Ohne das kann dich eine Agentur nicht richtig bepreisen. Also: ehrlich bleiben.

Follower-Zahlen sind ein Signal, Promoter:innen schauen aber auf Tickets. Wer einen 300er-Club verlässlich voll macht, ist leichter zu buchen als ein größerer Account, der das nicht schafft.

Dein Pressekit verschickt eine Agentur zehnmal pro Woche. Es muss also vollständig sein:

  • Fotos in mehreren Formaten: quer für Event-Seiten und Banner, hoch für Plakate, quadratisch für Listings. Mindestens eines mit Luft rund um dich, damit Promoter:innen Text draufsetzen können. Druckauflösung (3.000 Pixel oder mehr an der langen Seite) und Web-Versionen, mit Fotocredit, nicht älter als zwei Jahre.
  • Falls du ein Logo oder einen Schriftzug hast: als Vektordatei und als transparentes PNG.
  • Drei Bio-Längen in der dritten Person: ein Satz (rund 20 Wörter), kurz (rund 100) und lang (rund 300). Fakten zuerst: wo du lebst, was du spielst, Labels, Residencies, Clubs, in denen du gespielt hast. Keine Superlative. „Eine der aufregendsten Stimmen im Techno“ streichen die meisten Promoter:innen als Erstes.

Studio-Mixe zeigen Geschmack. Live-Mitschnitte zeigen, wie du einen Floor liest, und genau dafür zahlen Promoter:innen. Schick ein oder zwei aktuelle, vollständige, ungeschnittene Sets aus einem Club oder von einem Festival, mit Datum und Location. Live-Acts: ein Video einer ganzen Show oder ein langer Ausschnitt am Stück, dazu ein aktueller Tech-Rider. Alle Links müssen ohne Login und ohne Download laufen.

Der letzte Punkt wird am häufigsten unterschätzt. Agenturen fragen Promoter:innen nach dir, und Promoter:innen reden miteinander. Die merken sich, ob du innerhalb von ein, zwei Tagen antwortest, pünktlich zur Abholung da bist, die Crew gut behandelst und deinen Rider realistisch hältst. Ziehen zwei Artists ungefähr gleich viele Leute, wird der wieder gebucht, mit dem der Abend unkompliziert war. Und genau den pitcht eine Agentur auch lieber.

Was eine Booking-Agentur macht und was nicht

Diese drei Jobs werden gern verwechselt. Bezahlt werden sie auch unterschiedlich.

Booking-Agentur Management Advancing
Aufgabe Findet, bepreist und verhandelt Shows; kümmert sich um Angebote, Optionen (Holds) und Verträge; plant das Routing Steuert die Karriere: Releases, Labels, Team, Timing, Geld Bereitet jede bestätigte Show vor: Anreise, Hotel, Ablauf, Rider, Kontakte
Bezahlt über Provision auf Show-Gagen Provision auf den Großteil deiner Einnahmen, oft 15 bis 20 % Teil der Agenturleistung oder eigenes Honorar
Macht nicht Deine Musik veröffentlichen, deine Socials betreuen, Shows garantieren Im Alltag Shows buchen (meistens) Den Deal verhandeln

Eine Agentur kann Promoter:innen nicht dazu bringen, dich zu wollen. Sie kann deinen Namen bei den richtigen Leuten platzieren, dich sinnvoll bepreisen und deine Termine schützen. Ob dich jemand ein zweites Mal bucht, entscheidet der Abend selbst. Auf Club-Level haben viele Artists eine Agentur, lange bevor sie ein Management brauchen. Das Advancing macht mal die Agentur, mal das Tourmanagement, mal ein eigener Service. Frag nach, statt es anzunehmen.

Wie Provision funktioniert

Provision ist ein Prozentsatz der Gagen, die die Agentur bucht. In der europäischen Clubmusik sind 10 bis 20 % üblich, bei DJs oft 15 %. Ein höherer Satz kann fair sein, wenn die Agentur auch das Advancing macht, Reisen bucht und das Geld einsammelt; ein niedrigerer, wenn sie nur bucht. Egal, welche Zahl: Im Vertrag muss stehen, wovon sie genommen wird.

  • Von der Gage, nicht von deinen Kosten. Bei einem Landed Deal ist die Anreise in der Gage drin. Frag, ob die Provision auf die ganze Gage geht oder auf das, was übrig bleibt, nachdem die Agentur die Anreise bezahlt hat. Das Zweite ist fairer: An einem Flug sollte niemand Prozente verdienen.
  • Von dem, was du wirklich bekommst. Bei Door Deals und Bonus-Deals gilt die Provision meist für deinen Anteil nach der Abrechnung, Bonus inklusive.
  • Steuern im Ausland. Frag, ob die Provision vor oder nach der Steuer berechnet wird, die Promoter:innen im Ausland einbehalten (in Österreich die Abzugsteuer, in Deutschland die Ausländersteuer). Beides geht, solange es im Vertrag steht. Mehr zur Steuer selbst: Artists aus dem Ausland in Österreich: Steuer und Rechnung.
  • Buyouts. Klär, ob auf Geld, das nur Kosten ersetzt, etwa ein Hotel-Buyout, Provision fällt.

Sagen wir, [Artist A] spielt einen Landed Deal über 2.000 €, und die Agentur bucht Flüge und Zug um 450 €. Bei 15 %:

Provision nach Anreise Provision auf die ganze Gage
Gage 2.000,00 € 2.000,00 €
Anreise, von der Agentur bezahlt −450,00 € −450,00 €
Provision (15 %) −232,50 € (von 1.550 €) −300,00 € (von 2.000 €)
20 % USt auf die Provision −46,50 € −60,00 €
An den Artist 1.271,00 € 1.190,00 €

Macht 81 € Unterschied bei einer Show. Bei 40 solchen Shows im Jahr sind es 3.240 €.

Umsatzsteuer auf die Provision. Die Provision ist eine Leistung der Agentur an dich. Also kommt Umsatzsteuer drauf, wo welche anfällt. Stand 1. Oktober 2026, für eine Agentur mit Sitz in Österreich:

  • Sitzt du in Österreich, schlägt die Agentur den Normalsteuersatz von 20 % auf (§ 10 UStG 1994). Verrechnest du selbst Umsatzsteuer auf deine Gagen, kannst du sie in der Regel als Vorsteuer abziehen.
  • Nutzt du die Kleinunternehmerregelung (§ 6 Abs. 1 Z 27 UStG 1994, seit 2025 bis 55.000 € Umsatz brutto im Jahr), kannst du keine Vorsteuer abziehen. Die 20 % sind dann echte Kosten, zusätzlich zur Provision.
  • Hast du ein Unternehmen in einem anderen EU-Land und gibst der Agentur deine UID-Nummer, wird die Provision dort besteuert, wo du sitzt. Die Rechnung geht ohne österreichische Umsatzsteuer raus, mit Reverse Charge (§ 3a Abs. 6 UStG 1994).

Das ist eine allgemeine Information, keine Steuerberatung. Lass deinen Fall von einer Steuerberatung prüfen.

Exklusivität und Territorien

Die meisten Agenturen wollen dich in einem Territorium exklusiv vertreten. Jede Show-Anfrage von dort läuft über sie, auch die, die direkt bei dir landen, und meist sieht der Vertrag auch darauf Provision vor. Dafür schützt die Agentur deine Termine, bepreist dich einheitlich und verhindert, dass Promoter:innen zwei Agenturen gegeneinander ausspielen.

Klär schriftlich:

  • Das Territorium. Weltweit, Europa, eine Region wie DACH oder Europa ohne UK. Größere Artists haben oft eine Agentur pro Kontinent. Nie zwei Agenturen für dasselbe Territorium.
  • Ausnahmen. Deine eigenen Partys, eine Residency, die es vor der Agentur schon gab, Label-Nächte, Benefiz-Shows. Halte fest, ob darauf Provision fällt.
  • Laufzeit und Ausstieg. Ein Jahr mit klarer Kündigungsfrist ist ein vernünftiger Start. Klär, was mit Shows passiert, die vor dem Ende bestätigt wurden: Auf die bekommt die Agentur meist ihre Provision, auch wenn sie später stattfinden. Auf Shows, die erst nach deinem Abgang gebucht werden, nicht.
  • Wer bestätigt. Ob die Agentur Angebote für dich bestätigen darf und wann sie vorher fragen muss.
  • Der Geldfluss. Entweder zahlen Promoter:innen an die Agentur, die dir nach Abzug der Provision auszahlt, oder an dich, und die Agentur stellt ihre Provision in Rechnung. Beides passt, solange es zu jeder Show eine Aufstellung gibt.

Wie du eine Agentur ansprichst

Schau dir zuerst das Roster an. Bucht die Agentur nichts in der Nähe deines Sounds oder arbeitet sie mit Artists an einem ganz anderen Punkt, such weiter. Eine kleine Agentur, deren Promoter:innen schon Musik wie deine buchen, bringt dich meist schneller unter als eine bekannte, deren Promoter:innen das nicht tun.

Dann schreib eine kurze Mail an eine Person, am besten an die, die neue Artists betreut, falls die Agentur jemanden nennt. Fünf bis acht Sätze:

  1. Wer du bist, wo du lebst und was du spielst, in einer Zeile.
  2. Was gerade läuft: das nächste Release, eine Residency, die letzten Gigs außerhalb deiner Stadt.
  3. Was du brauchst: Vertretung für welches Territorium, oder Advancing für Shows, die du schon hast.
  4. Links: Pressekit, zwei Live-Mitschnitte, eine Liste vergangener und kommender Termine.

Links, keine Anhänge. Eine 200-MB-Datei von Unbekannten öffnet niemand, und ein privater Link, der nächste Woche abläuft, ist auch nicht besser. Alles muss ohne Login laufen.

Timing hilft. Schreib, wenn du etwas zu übergeben hast: Anfragen, die du allein nicht mehr gut schaffst, oder ein Release mit fixem Datum in drei bis sechs Monaten. Eine Empfehlung von Promoter:innen oder einem Label, die schon mit dir gearbeitet haben, zählt mehr als jede Mail ins Blaue. Kommt nach drei, vier Wochen keine Antwort, frag einmal nach, mit etwas Neuem. Danach heißt Schweigen meistens Nein. Probier’s dann ruhig woanders.

Schreib nicht an fünf Leute in derselben Agentur, setz nicht mehrere Agenturen in CC und runde deine Zahlen nicht auf. Agenturen prüfen das nach.

Warnsignale

  • Vorabgebühren für die Vertretung. Eine Gebühr fürs Roster, fürs „Onboarding“ oder für „Artist Development“, eine monatliche Pauschale fürs Booking. Eine Booking-Agentur verdient an den Shows, die sie bucht. Eine klar umrissene eigene Leistung wie PR zu bezahlen, ist etwas anderes und gehört in eine eigene schriftliche Vereinbarung.
  • Versprochene Ergebnisse. Eine Anzahl Shows, eine Gagenhöhe, ein Festival-Slot. Das kann niemand ehrlich versprechen.
  • Keine schriftlichen Bedingungen. Provisionssatz, Berechnungsbasis, Territorium, Exklusivität, Laufzeit, Kündigung und Geldfluss gehören auf Papier, bevor das erste Angebot rausgeht.
  • Provision auf alles. Eine Booking-Agentur, die an Releases, Streaming oder Merch mitverdient, spielt Management, ohne den Job zu machen.
  • Pay to Play. Slots, für die du zahlst, oder Tickets, die du kaufen und weiterverkaufen musst.
  • Geld, das du nicht nachvollziehen kannst. Gagen, die spät kommen, ohne Aufstellung pro Show mit Gage, Kosten und Provision.
  • Druck, schnell zu unterschreiben. Eine gute Agentur lässt dich den Vertrag in Ruhe lesen und mit jemandem besprechen, dem du vertraust.

Keine seriöse Booking-Agentur verlangt Geld dafür, dass du ins Roster kommst. Sie verdient einen Anteil an Gagen, die sie tatsächlich gebucht hat, und zeigt dir bei jeder Show, wie sie gerechnet hat.

Egal, mit welcher Agentur du redest, stell die Fragen oben, bevor du unterschreibst. Falls du an uns denkst: Unsere Bedingungen stehen auf der Seite über uns.

Begriffe in diesem Guide

Agenturprovision

Provision, Booking-Provision, Agenturanteil

Der Anteil an der Gage, den die Booking-Agentur für ihre Arbeit behält, in der europäischen Clubmusik meist 10 bis 20 %. Er geht von der Artist-Seite ab, Promoter:innen zahlen nichts obendrauf.

Pressekit

EPK, Press Kit, Pressemappe

Das offizielle Material des Artists für Promotion und Presse: Logos, Pressefotos mit Credits, eine kurze und eine lange Biografie und Links.

Landed Deal

All-in-Gage, Pauschalgage, landed

Eine Gage inklusive Anreise: Die Artist-Seite bucht und zahlt Flüge oder Züge davon. Obendrauf zahlen Promoter:innen nur, was laut Deal bei ihnen liegt, etwa das Hotel.

Reverse Charge

Übergang der Steuerschuld, Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers

Das Unternehmen, das eine Leistung aus dem Ausland bezieht, schuldet die Umsatzsteuer statt der leistenden Seite. Die Rechnung kommt netto, mit beiden UID-Nummern und einem Hinweis darauf.

UID-Nummer

Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, UID, USt-IdNr. (Deutschland)

Die Nummer, mit der ein Unternehmen in der EU für die Umsatzsteuer erkennbar ist. In Österreich ATU und acht Ziffern, in Deutschland DE und neun Ziffern (USt-IdNr.).

Fragen

Wie viel Provision nimmt eine Booking-Agentur?

In der europäischen Clubmusik meist 10 bis 20 % der Gagen, die sie bucht, bei DJs oft 15 %. Genauso wichtig ist, wovon: Bei Landed Deals am besten von der Gage nach der Anreise.

Brauche ich vor einer Booking-Agentur ein Management?

Nein. Viele Club-Artists haben zuerst eine Agentur. Ein Management lohnt sich, sobald Releases, Labels und ein Team neben den Shows Steuerung brauchen.

Ist es normal, eine Agentur für die Vertretung zu bezahlen?

Nein. Die Agentur verdient über Provision auf die Shows, die sie bucht. Eine Vorabgebühr fürs Roster ist ein Warnsignal.

Kann ich manche Shows weiter selbst buchen?

Bei exklusiver Vertretung laufen Anfragen im Territorium über die Agentur. Ausnahmen wie deine eigenen Partys oder eine bestehende Residency vereinbarst du schriftlich, bevor du unterschreibst.

Wie lange soll ich auf eine Antwort warten?

Drei, vier Wochen. Dann frag einmal nach, mit etwas Neuem, etwa einem Release oder einem fixen Termin. Danach gilt Schweigen als Nein.

Quellen

Woher die Regeln und Zahlen in diesem Guide kommen.

  1. 1
  2. 2
  3. 3

Suchst du eine Agentur?

Wir buchen Artists der elektronischen Musik, advancen jede Show, die sie spielen, und rechnen danach die Gage mit ihnen ab.

Mehr Guides

  • Für Promoter:innen

    Deal-Typen erklärt: Landed, Gage plus Kosten, Fixgage

    In der Landed-Gage steckt die Reise schon drin, bei Gage plus Kosten zahlst du sie extra. Eine Fixgage bleibt gleich, egal wie viele Tickets du verkaufst.

    8 Min. LesezeitZuletzt geprüft

  • Für Promoter:innen

    Versus, Door Deal und Bonus: So wird abgerechnet

    Versus zahlt die Garantie oder den Anteil an den Netto-Ticketeinnahmen, je nachdem, was mehr ist. Door Deal: nur der Anteil. Ein Bonus kommt zur Garantie dazu.

    7 Min. LesezeitZuletzt geprüft

  • Für Promoter:innen

    Optionen, Challenges und Freigaben: wer das Datum bekommt

    Eine Option hält dir ein Datum frei, bestätigt ist es damit nicht. Bei einer Challenge muss die erste entscheiden, nach einer Freigabe rückt die nächste auf.

    5 Min. LesezeitZuletzt geprüft