Ein Versus Deal zahlt dem Artist die Garantie oder einen Prozentsatz der Netto-Ticketeinnahmen, je nachdem, was mehr ist. Ein Door Deal zahlt nur den Prozentsatz, ohne Untergrenze. Garantie plus Bonus zahlt eine fixe Gage und legt vereinbarte Beträge drauf, wenn der Ticketverkauf bestimmte Schwellen erreicht. Abgerechnet wird nach der Show, mit Zahlen, die beide Seiten vorher festgelegt haben.
Wer das Ticketrisiko trägt
Bei einer Fixgage trägst du das ganze Risiko. Die anderen Deals teilen es unterschiedlich auf:
- Versus: Die Garantie schützt den Artist an einem schwachen Abend, der Prozentsatz beteiligt ihn an einem vollen. Die Garantie liegt meist unter der Fixgage. Der Prozentsatz ist der Ausgleich dafür, dass der Artist vorab weniger nimmt.
- Door Deal: Der Artist trägt das Risiko voll mit. Kommt bei lokalen Acts und Residents vor, bei neuen Reihen, Kollektiven mit eigener Crowd und kleinen Clubs mit niedrigen Kosten. Der Prozentsatz ist höher als beim Versus, weil es keine Untergrenze gibt. Für einen Artist, der einfliegen muss, geht ein Door Deal selten auf.
- Garantie plus Bonus: eine fixe Gage mit Stufen obendrauf, zum Beispiel 500 € mehr ab 600 bezahlten Tickets. Am einfachsten abzurechnen, weil nur die Ticketzahl zählt, nicht die Kosten.
Brutto, netto und vereinbarte Kosten
Ein Prozentsatz sagt erst was, wenn klar ist, wovon. Du brauchst drei Werte (brutto und netto):
- Brutto-Ticketumsatz: was Käufer:innen für den Eintritt bezahlt haben, Vorverkauf und Abendkasse zusammen.
- Netto-Ticketumsatz: brutto minus die im Preis enthaltene Umsatzsteuer, und minus Ticketgebühren, wenn sie im Ticketpreis stecken und nicht obendrauf kommen.
- Netto nach Kosten: Netto-Ticketumsatz minus vereinbarte Kosten. Bei den meisten Versus und Door Deals in Clubs ist das die Zahl, auf die der Prozentsatz geht.
Frag fünf Promoter:innen, was „netto“ heißt, und du kriegst mehrere Antworten. Schreib also die ganze Kette ins Angebot: „70 % der Ticketeinnahmen nach Umsatzsteuer, Ticketgebühren und den unten aufgeführten vereinbarten Kosten.“
Vereinbarte Kosten sind eine Liste mit Beträgen oder Obergrenzen, fixiert vor der Show. Typische Posten:
- Miete der Location und Haustechnik
- zusätzliche Ton-, Licht- und Bühnentechnik
- Security, Einlass und Kasse
- Promotion
- Support-Acts
- die Gebühr der Verwertungsgesellschaft für die Musik (AKM in Österreich, GEMA in Deutschland), wenn sie für den Abend anfällt
Meist nicht auf der Liste: Barpersonal und Wareneinsatz an der Bar (die Bareinnahmen werden ja auch nicht geteilt), dein Büro und deine Fixkosten, und die Gage des Artists, um dessen Abrechnung es geht. Flüge und Hotel des Headliners sind nur dann Kosten, wenn das Angebot es sagt. Zahlst du sie obendrauf und ziehst sie dann noch ab, zahlt der Artist sie am Ende aus dem eigenen Anteil.
Eine Abrechnung bei drei Auslastungen
Angenommen, [Artist A] spielt in einem Club für 900 Leute. Dazu gehen wir von Folgendem aus:
- Tickets zu 20 €, inklusive Umsatzsteuer; die Ticketgebühr zahlen die Käufer:innen obendrauf, sie zählt nicht
- der Abend fällt unter den ermäßigten österreichischen Steuersatz von 13 % (siehe Umsatzsteuer unten), also stecken in jedem 20-€-Ticket 2,30 € Umsatzsteuer und 17,70 € netto
- vereinbarte Kosten von 5.000 €: Location und Technik 2.000 €, Personal und Security 1.200 €, Promotion 800 €, Support-Acts 1.000 €
- die Anreise des Artists steckt in der Gage (landed), sie ist also kein Kostenposten
Vier Deals für denselben Abend:
- Fixgage: 2.500 €
- Versus: 2.000 € Garantie gegen 70 % von netto nach Kosten
- Door Deal: 80 % von netto nach Kosten
- Garantie plus Bonus: 2.000 €, plus 500 € ab 600 bezahlten Tickets, insgesamt 1.000 € ab 850
Was der Artist bekommt:
Was dir von den Ticketeinnahmen bleibt, vor der Bar:
So liest du die Tabellen:
- Bei 300 Tickets zahlt der Versus Deal die Garantie, weil 70 % von 310 € nur 217 € sind. Der Door Deal zahlt 248 €. An genau diesen Abend denken Artists, die anreisen, wenn sie einen Door Deal ablehnen.
- Ab dem 444. bezahlten Ticket zahlt der Versus Deal mehr als die Garantie. Dort übersteigen 70 % von netto nach Kosten die 2.000 €.
- Ausverkauft zahlt der Door Deal dem Artist am meisten. Dir bleibt bei der Fixgage am meisten, beim Bonus fast genauso viel. Zwischen Versus und Bonus liegen für den Artist 4.651 €.
- Bei 300 Tickets liegst du bei Versus oder Bonus 1.690 € im Minus, bei der Fixgage 2.190 €. Die niedrigere Garantie hat dir an einem schlechten Abend 500 € gespart.
So wird ein Versus fair
Ein Versus Deal ist fair, wenn beide Zahlen etwas bedeuten: eine Garantie, von der der Artist anreisen kann, und ein Prozentsatz, den ein guter Abend auch erreicht.
- Die Garantie ist das, was du verlieren kannst, ohne dass der Abend wehtut. Im Beispiel 2.000 € gegenüber einer Fixgage von 2.500 €.
- Der Break-even liegt bei einer Auslastung, die der Abend realistisch schafft. Im Beispiel überholt der Prozentsatz die Garantie bei 444 bezahlten Tickets, also bei etwa halbvollem Club. Überholt er sie erst bei 95 % Auslastung, ist der Versus eine verkleidete Fixgage, und der Artist hat für nichts weniger genommen.
- Versus und Plus sind verschiedene Deals. Manche Deals zahlen die Garantie plus einen Prozentsatz von dem, was nach Kosten und Garantie übrig bleibt: Du holst zuerst alles rein, erst dann wird geteilt. Im Beispiel würde „2.000 € plus 50 % nach Kosten und Garantie“ 2.000 €, 3.810 € und 6.465 € zahlen. Schreib dazu, welchen der beiden du meinst.
Rechne deine eigenen Zahlen im Deal-Rechner durch.
Leg die Kostenliste vor der Show fest, mit Beträgen oder Obergrenzen. Fast jeder Streit bei der Abrechnung beginnt mit einer Zahl, die jemand am Abend zum ersten Mal sieht.
Die Abrechnung selbst
Die Abrechnung ist die Aufstellung, die beide Seiten nach der Show bestätigen. Drin stehen:
- der Bericht der Ticketplattform, nach Preisstufen und Kanälen, mit Rückerstattungen
- die Abendkasse, bar und mit Karte, und die gescannten oder gezählten Einlässe
- Gästeliste und Freikarten, verglichen mit der vereinbarten Zahl
- jeder vereinbarte Kostenposten, Belege auf Anfrage
- die Berechnung und die Gage, die dabei rauskommt
Die Abendkasse rechnest du noch am Abend ab, mit dem Tourmanagement vor Ort oder per Mail an die Agentur. Den Vorverkauf, sobald der Bericht der Plattform da ist. Lass ihn dir als Export aus der Plattform geben, nicht als Screenshot. Bezahlt wird der Anteil an dem Datum, das im Vertrag steht. „Wenn die Plattform auszahlt“ ist kein Datum.
Typische Streitpunkte und wie du sie vermeidest
Was als Kosten zählt. Posten, die nicht auf der Liste standen, ein Promo-Budget, das sich plötzlich verdoppelt hat, eine Zeile „Haustechnik“, die nie jemand definiert hat. Vereinbare Posten und Obergrenzen im Angebot und rechne mit Belegen auf Anfrage ab. Was nicht auf der Liste steht, ist kein Kostenposten.
Freikarten und Gästeliste. Freier Eintritt bringt nichts ein, und fünfzig Namen extra an einem vollen Samstag merkt der Artist am eigenen Anteil. Vereinbare eine Zahl: Gäste bis dahin zählen null. Darüber zählt jeder Gast wie ein verkauftes Ticket der günstigsten Preisstufe, oder es gibt keine weiteren. Die Gäste des Artists kommen meist von derselben Liste.
Preisstufen. Ein Early-Bird-Ticket zu 15 € ist kein 20-€-Ticket. Brutto ist, was Käufer:innen wirklich bezahlt haben, Stufe für Stufe, nicht Ticketzahl mal Abendkassenpreis. Eine Bonusschwelle sollte sagen, ob sie bezahlte Tickets jeder Stufe zählt oder Umsatz.
Vorverkauf und Abendkasse. Der Vorverkauf kommt von der Ticketplattform, oft erst nach dem Event ausgezahlt und minus ihrer Gebühren. Die Abendkasse ist Bargeld und Karte am Abend. Halte fest, ob die Gebühren der Plattform im Ticketpreis stecken und ob Rückerstattungen und Rückbuchungen den Bruttoumsatz mindern.
Bezahlte Tickets oder Köpfe. Bonusschwellen und Abrechnungen zählen bezahlte Tickets, nicht alle, die reingekommen sind. Ein voller Club für 900 Leute mit 200 auf der Gästeliste hat 700 bezahlte Tickets.
Die Bar. Steht im Deal nichts anderes, werden die Ticketeinnahmen geteilt, die Bar nicht. Gehört ein Baranteil zum Deal, definiere ihn so genau wie die Ticketeinnahmen.
Zeitpunkt. Schreib ins Angebot, wann die Aufstellung kommt und wann der Anteil bezahlt wird.
Umsatzsteuer auf Tickets. Der Prozentsatz wird nach Umsatzsteuer berechnet, also verändert der Steuersatz das Ergebnis. In Österreich wird der Eintritt zu Musikaufführungen mit dem ermäßigten Satz von 13 % besteuert (§ 10 Abs. 3 Z 6 lit. b UStG 1994). Die Umsatzsteuerrichtlinien nennen DJ-Auftritte als Musikaufführungen (UStR 2000, Rz 1407), wenn die Musik der Zweck des Abends ist. Das bloße Abspielen von Aufnahmen oder Musik, die nur die Bar umrahmt, ist nicht begünstigt; dann gilt der Normalsteuersatz von 20 % (§ 10 Abs. 1 UStG 1994). In Deutschland hat der Bundesfinanzhof entschieden, dass Techno- und House-Abende unter derselben Bedingung Konzerte sein können, mit dem ermäßigten Satz von 7 % (§ 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. a UStG; BFH, V R 17/17, 23. Juli 2020). Andere Länder haben eigene Regeln. Schreib ins Angebot, mit welchem Satz die Abrechnung rechnet, und nimm den, den deine Steuerberatung für den Abend bestätigt. Stand: 1. Oktober 2026.
Das ist eine allgemeine Information, keine Steuerberatung. Lass deinen Fall von einer Steuerberatung prüfen.